Ich nehme was ich kriegen kann – besonders junge Männer!

In meinem Heimatland Italien ist es im Winter normalerweise nicht sonderlich kalt. Natürlich sinken die Temperaturen in Südtirol auf ähnliche Werte, wie hierzulande, aber je südlicher man mein Land besucht, desto angenehmer werden die Temperaturen.

Der Winter ist endlich passee und die Sonnenstrahlen sind kräftig genug, um unser Herz zu erwärmen. Überall im Freien sitzen sie, die Menschen, um nach der langen Kälte den Frühling zu genießen…

Auch Ostern ist passee und viele Frauen haben Eier ausgeblasen. Natürlich tun dies manchmal auch Männer – aber darüber wollen wir hier nicht diskutieren oder philosophieren. 

Auf Anita bin ich aufmerksam geworden, als sie im Supermarkt den Kassier beflirtete. Anita ist ein mehr als echtes Weib – und ihre Aussage, wonach die Eier, die sie ausbläst, gar nicht jung genug sein können, hat erst während dieses Interviews einen Sinn gefunden…

Giovanni: Anita, ich sehe sie immer wieder im Supermarkt – und meistens haben sie junge Burschen dabei. Sind das ihre Söhne, ihre Verwandten?
Anita: Aber nein, gar nicht, das sind dann meistens Liebhaber.
Giovanni: Respekt vor ihrem Alter, vor ihrer Person, aber sind diese Liebhaber nicht doch sehr jung?
Anita: Natürlich sind die jung – denn alt bin ich ja selber.
Giovanni: Wie alt?
Anita: Im Jahre 2005 war ich noch 42.
Giovanni: Nun sind sie also 54.
Anita: Wobei ich mich nicht wie 54 fühle.
Giovanni: Wie alt fühlen sie sich?
Anita: Wie 20, manchmal wie 30.
Giovanni: Wie funktioniert das?
Anita: Wenn man sich viel mit jungen Leuten abgibt, bleibt man im Herzen und in der Seele jung.
Giovanni: Die Jungs, mit denen sie hin und wieder unterwegs sind, wirken aber so, als könnten sie deren Mutter sein.
Anita: Das ist mir schon klar. Meine Männer sind oft erst 18 oder 20 Jahre alt. Es gibt genug junge Burschen, die eine Frau brauchen, die ihnen was beibringt.
Giovanni: Was bringen sie diesen Burschen bei?
Anita: Die meisten Burschen wissen ja nichts. Die Burschen glauben ja, dass es genügt, sein Ding irgendwo einzuparken und damit ist die Sache erledigt.
Giovanni: Ist sie das denn nicht?
Anita: Nein, keinesfalls – und da zeige ich den Burschen schon auch, wo es lang geht.
Giovanni: Sollten diese Burschen, die das noch nicht wissen, nicht mit etwa gleichaltrigen Mädchen oder Frauen ihre Erfahrungen sammeln?
Anita: Aber warum denn? Die Jungs können doch froh sein, von einer erfahrenen Frau, wie ich es bin, etwas zu lernen…

Unlängst war ich wieder im Supermarkt und dort arbeitet an Samstagen ein junger Bursche an der Kassa. Frau Anita fragte eine Kollegin dieses Burschen, ob „dieser denn schon 18 sei und ihm überhaupt schon Schamhaare wachsen“.

Über das Niveau solcher Fragen kann man streiten…

Giovanni: Waren diese Fragen denn nicht ein wenig indiskret und von zweifelhaftem Niveau?
Anita: Ich kenne diese Frau schon fünfzehn Jahre. Wir blödeln oft. Und dieser Bub war ja wirklich süß. Wie er dort so gesessen ist, ein bisschen nervös war, ganz schüchtern gelächelt hat – also ich hab den zuckersüß gefunden.
Giovanni: Vielleicht waren ihm ihre Fragen peinlich, die er ja sicher gehört hat?
Anita: So zart darf man nicht besaitet sein.
Giovanni: Gut, also – ihre Partner sind sehr jung. Stellt sich die Frage, warum sie auf junge Burschen reflektieren. Kommen sie mit Gleichaltrigen nicht zurecht?
Anita: Um Gottes Willen! Bitte machen wir da keine psychologische Studie daraus. Ich finde junge Burschen attraktiv, süß, sie haben ganz andere Ansichten, als die älteren Männer in meinem Alter. Sie sind noch nicht so festgefahren, so gesetzt. Es ist erfrischend, wenn man junge Männer kennt. Ich genieße das immer sehr. Das heißt aber noch lange nicht, dass ich mit gleichaltrigen Menschen nicht auch gut auskomme. Im Gegenteil, ich habe sehr viele Freunde, die in meinem Alter sind. Ich bin an sich eine sehr geradlinige Person, die immer sagt, was sie denkt. Das kommt natürlich nicht immer und überall gut an. Wenn man mich nicht kennt und mich nur auf meine Aussagen reduziert, dann wirke ich halt sehr schnell unsympathisch, aber ich bin eben eine Person, die man ein bisschen kennen muss, um sie zu mögen. Das entwickelt sich eben erst nach einer gewissen Zeit.
Giovanni: Sie können es also nachvollziehen, dass ein anderer Mensch mit dem Kopf schüttelt, wenn er im Supermarkt sieht, wie sie den Kassier anflirten?
Anita: Nachvollziehen kann ich alles – ich muss diesen „Nachvollzug“ ja nicht teilen.
Giovanni: Wo lernen sie ihre jungen Männer kennen?
Anita: Ich gehe sehr viel aus. Ich bin fast immer unterwegs. In Bars, in Diskos, aber auch in einfachen Kaffeehäusern. Ich bin nicht auf den Mund gefallen – wie sie sicher unschwer erkennen können. Ich zeige Interesse und Respekt vor den jungen Herren und das kommt an sich sehr gut an. Das Internet und Profile sind natürlich ebenso ein guter Weg.
Giovanni: Es kommt also gut an, wenn sie eine dritte Person fragen, ob die andere Person schon Schamhaare hat? Ist das nicht eine fragwürdige Art von Humor?
Anita: Jetzt kommen sie doch von dieser Aussage runter. Sie hängen ja alles auf dieser Aussage auf. Glauben sie wirklich, dass ich immer so bin?
Giovanni: Was ich glaube, tut eigentlich nichts zur Sache. Sie sind ja die Interviewpartnerin, die Hauptdarstellerin in diesem Stück. Ich spiele nur die zweite Rolle – eine Nebenrolle. Aber sie müssen bedenken, dass sich viele Leute relativ schnell ein Bild machen, wenn sie solche Aussagen hören.
Anita: Bilder, die schnell gemalt wurden, sind nie besonders schön. Nur in der Weile liegt die Schönheit. Im Übrigen geht es mir – entschuldigen sie bitte – am Arsch vorbei, was all die Leute von mir denken. Man kann es sowieso nicht Jedem recht machen. Man kann tun und lassen, was man will, man wird nie alle Menschen zufriedenstellen können.
Giovanni: Wird es jetzt doch noch philosophisch?
Anita: Überhaupt nicht, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass ich in diesem Interview „auf eine Schwanz orientierte Alte“ reduziert werde. Wenn das so sein soll, dann brechen wir bitte ab.
Giovanni: Aber nein – ich stelle ganz bewusst provokante Fragen und Suggestivfragen, um sie ein wenig aus der Reserve zu locken und dem Interview ein wenig Salz zu geben. Ich agiere und denke wertfrei und ich urteile nicht. Sie müssen aber bedenken, dass eine Frau, welche doch schon über 50 ist und auf Jungs unter 20 steht einfach polarisiert. Das ist normal. Und Menschen, die polarisieren, kriegen natürlich auch Kommentare ab. Ich bin mir sicher, dass viele Leser ihre Einstellung cool finden werden – aber auch viele Leser diese Einstellung bekritteln.
Anita: Ich brauche keine Bewunderung und ich brauche keine Verurteilung. Ich lebe, wie ich mein Leben eben leben möchte. Das Leben ist sowieso viel zu kurz. Man darf nicht alles so ernst nehmen. Sich selbst nicht so ernst nehmen. Wo kommen wir denn da hin. Meine Jungs oder Männer haben es gut bei mir. Ich bin eine Alte, mag sein, aber ich bin ein Kumpeltyp. Auf mich kann sich jeder verlassen, der mich als „Bekannte“ oder „Freundin“ hat. So etwas wiegt ja ungleich mehr, als dass ich auf junge Burschen stehe.
Giovanni: Wir haben uns etwas verfahren. Dieses Interview hat eine Richtung genommen, in die ich eigentlich gar nicht wollte. Aber es ist mal etwas anderes. Zurück zum Thema – sie gehen also gerne in die Disko und lernen dort gerne Burschen kennen.
Anita: Wieder so eine Frage. Motto: „Die Alte geht in die Disko, um dort junge Burschen kennen zu lernen.“ Warum?
Giovanni: Inzwischen stellen sie mir die Fragen – anstatt ich ihnen. Nein, keineswegs. Ich habe doch gar nicht in diese Richtung gedacht. Es war eine Aussage, die auf ihre Angaben aufgebaut wurde. Zitat von ihnen: „Ich bin fast immer unterwegs. In Bars, in Diskos, aber auch in einfachen Kaffeehäusern.“
Anita: Ich bin gut fünf- bis sechsmal pro Woche unterwegs. Selten komme ich vor Mitternacht nach Hause. Ich bin eben gerne unterwegs.
Giovanni: Sehnen sie sich manchmal nach einer Beziehung?
Anita: Mit meinem letzten Mann war ich acht Jahre zusammen. Das waren die schlimmsten Jahre meines Lebens. Seit damals hab ich mir geschworen, dass ich mit keinem Mann mehr zusammenleben möchte. Mir ist mein jetziges Leben, mit all seinen Facetten, viel lieber.
Giovanni: Verlieben sich die jungen Männer manchmal in sie?
Anita: Das hab ich noch nicht erlebt. Ich bin ein Kumpeltyp. Ich habe Sex mit den Männern. Dennoch wird es nie so eng, dass daraus Liebe entstehen könnte.
Giovanni: Was unterscheidet die jungen Männer von den älteren Männern?
Anita: Die Erfahrung – wobei es nicht gesagt ist, dass mehr Erfahrung auch wirklich gut sein muss. Im Gegenteil. Wenn man viel erlebt hat, ist man geprägt. Man kann zwar sagen, dass man „erfahren“ ist, aber es stellt sich die Frage: um welchen Preis? Wenn ein älterer Mann, nur weil er Erfahrung hat, das und das und das nicht mehr macht, weil er es irgendwann falsch gemacht hat und einen Schaden davongetragen hat, dann kann das schon auch auf die Lebensqualität gehen. Natürlich ist es gut, wenn man aus dem Leben was lernt, aber man sollte die Schlüsse daraus nicht übertreiben. Ich kenne einen 40jährigen, der nicht mehr in die Disko geht, weil er das letzte Mal, als er in der Disko war, keine Frau kennen gelernt hat. Der sagt jetzt: „Was mach ich der Disko – mich will sowieso keine mehr.“ So eine Einstellung ist fatal. Der ist jetzt 40, wird irgendwann 50 sein und dann 60 und wird nie wieder in eine Disko gehen, weil er im Jahr 2017 keine Frau kennen gelernt hat, als er dort war. Dass es vielleicht daran liegen könnte, dass an diesem Abend keine Frau dort war, die gesucht hat, oder er einfach einen schlechten Tag mit einer verkrampften Einstellung gehabt hat – daran denkt er nicht.
Giovanni: Die jungen Männer sind da anders?
Anita: Die jungen Männer sind ganz anders. Die sind noch nicht so verhärmt. Wenn ein junger Typ in die Disko geht, dann geht er meistens mit Freunden. In einer Gruppe kann man in der Disko viel einfacher neue Leute kennenlernen. Da liegt schon ein gravierender Unterschied, denn wenn man alleine herumsteht, kann es leicht passieren, dass man verkrampft. Diese Verkrampfung strahlt man aber auch aus. Man steht dort und will – um alles auf der Welt – jemanden kennenlernen, zupft an sich herum, ist nicht sonderlich sicher, sondern eher nervös, hat einen entsprechenden Gesichtsausdruck – und schreckt damit die Leute ab. Die jungen Burschen trinken was, lachen, tanzen, gehen herum, wenn sich etwas bietet, ist es gut, wenn nicht, dann eben nicht. Dann gehen sie nach Hause und lernen beim nächsten Mal jemanden kennen. Wenn aber der 40jährige erfolglos bleibt, kriegt er eine Lebenskrise.
Giovanni: Wie ist das bei ihnen – wo sie doch ebenfalls zwischen 50 und 60 sind? Kriegen sie manchmal eine Lebenskrise?
Anita: Ich bin eben anders – wie ich bereits gesagt habe. Ich schleppe ja nicht dauernd einen Burschen ab. Mittlerweile kenne ich genug Leute, kann mich unterhalten, bin locker und muss nicht verkrampfen - ich will ja meinen Spaß haben und nicht resignierend wie eine alte Jungfer herumstehen und eine Trauermiene machen.
Giovanni: Der Bursche an der Kassa des Supermarktes würde ihnen also gefallen?
Anita: Der ist ja wirklich zuckersüß – aber ich glaube, dass er schwul ist…