Ich dachte immer, dass es schwul ist!

Ben ist 30 Jahre alt, Amerikaner und ein Prachtkerl. Ben sieht so aus, wie man die Jungs aus den amerikanischen TV-Serien kennt.

Beverly Hills 90210 oder Baywatch? Ben könnte überall dabei sein.

Woher ich Ben kenne?

Nun, ich bin Leiterin eines Kulturinstitutes und Ben war Teilnehmer an einem Kurs, der sich mit germanischer Kunst und Kultur beschäftigte.

Ben war mir sofort aufgefallen, weil er eben nicht weiß ist, sondern kaffeebraun und weil er eben großgewachsen und trainiert ist. Ben hat strahlend weiße Zähne und wenn er lächelt, kann man jeden einzelnen Zahn sehen.

Ben ist charmant, Ben ist höflich, Ben ist zuvorkommend – und Ben hat einen leicht femininen Touch. Er ist auch viel zu gepflegt – für einen Mann.

Als Ben dann auch noch mit einer anderen Kursteilnehmerin über ihr Make-Up sprach, war uns allen klar: BEN IST SCHWUL!

Wiebke meinte sogar noch: „Na klar, da ist mal ein interessanter Mann – und dann ist er schwul.“

Ben liebt es dennoch mit Frauen zu flirten. Das war schon seltsam. Auch mit mir flirtete er auf Teufel komm raus. Mal meinte er sogar, dass er gerne der Knopf an meinem Kleid sein möchte und ich dachte mir, „was ist denn mit dem los?“

Ich nahm Ben einfach nicht ernst.

Der Kurs dauerte 26 Wochen, jede Woche 3 Stunden und am Ende wollten wir ein Abschlussfest machen.

Ich erinnere mich noch, dass meine Teilnehmer unzählige Ideen hatten, was wir alles feiern und was wir alles mitbringen könnten, ich dachte mir, dass die Weihnachten und Ostern zusammenlegen wollten, denn so emsige Teilnehmer hatte ich noch nie.

Und dann kam der Abend, an dem wir uns aus dem Kurs verabschieden wollten.

Wir saßen herum, wir aßen Kuchen und anderes Gebackenes, wir tranken Wein, Sekt, mischten aber auch Bier dazu, Gudrun brachte ihre Helene Fischer-CDs und alle schienen irgendwie lockerer und legerer zu sein, als all die Wochen zuvor.

Die Stimmung war gut, sehr gut, aber irgendwie wirkte das alles wie auf einem Dorffest („Atemlos, durch die Nacht...“) und je länger der Abend dauerte, desto genervter und müder wurde ich.

Ich ging auf die Terrasse, stand dort herum, genoss die frische Luft und schaute in die Sterne. Da kam Ben. Er fragte mich, ob ich schlechte Laune hätte und ich antwortete, dass ich bloß ein wenig müde wäre und dass mir dieses Gegröle von Helene Fischer eben nicht gefällt.

Auch Ben meinte, dass er Helene Fischer nicht mag und sie ihn an Celine Dion erinnert – die er ebenso nicht mag.

Wir redeten und redeten und redeten und dann erinnerte mich Ben daran, dass ich ihm noch ein Ölbild zeigen wollte – welches ich im Keller gelagert hatte.

Ben und ich gingen also in den Keller und ich zeigte ihm das Bild, es gefiel ihm, wir sprachen darüber, was es ausdrücken soll, wann, wie und wo ich es gemalt hatte, usw... - und Ben hielt mich am Oberarm, während ich ohne Komma und Punkt weiter und weitererzählte.

„Du sprichst so viel“, sagte Ben – und nahm mich in den Arm. „Was hast du vor?“, fragte ich ihn.

Ben meinte, dass er mich schon seit dem ersten Tag scharf findet und auf diesen Augenblick gewartet hätte. Er meinte, dass ich eine strenge Ausstrahlung hätte und als Lehrerin eine gewisse Autorität ausstrahle, die er sexy findet.

Dann küssten wir uns – das ging ganz schnell.

Ben hatte stahlharte Muckis und sein Körper, seine Haut rochen sehr gut.

Er roch männlich, sinnlich, er roch auch ein wenig nach einem leichten Parfum – und alles zusammen machte mich schwach!

Wir küssten uns leidenschaftlich, rieben unsere Körper aneinander, als Ben den Träger meines Kleides abriss.

Kurz war ich verärgert, weil dies ein Designerkleid war, aber so schnell konnte ich gar nicht schauen, da stand ich auch schon ohne Kleid da.

Ben zog sein Shirt aus, ich konnte seinen prachtvollen Oberkörper sehen – doch war dieser Typ nicht schwul???

„Ehm, Ben, Du bist doch schwul, oder?“, fragte ich ihn.

„Wie kommst du denn darauf?“, entgegnete Ben.

Mann, wie peinlich war DAS denn?

Ich küsste Ben weiter, damit er keine Fragen stellen konnte, zugleich fühlte ich die Beule in seiner Jeans. Ich dachte, er hat da einen Baseballschläger versteckt...

Ben zog mich aus, zog sich aus und dann machten wir es auf einem alten Ikea-Tisch.

Ich hatte Angst, dass dieser Tisch – wie mein Kleid – kaputt gehen könnte, wartete eigentlich nur darauf, dass ich anstatt mit dem Rücken auf dem Tisch mit dem Rücken auf dem harten Steinboden liege, aber trotz oftmaliger Qualitätsmängel – dieser Tisch war sein Geld wert.

Ich könnte ja Dutzende Details erzählen, aber ich bin mir sicher, dass Dich das nur geil machen würde – und das will ich nun wirklich nicht ;-)

Ben und ich hatten jedenfalls Sex, guten Sex, langen Sex und als wir dann fertig waren, holte er mir ein T-Shirt und eine Shorts aus seiner Sporttasche.

Ich sah darin albern aus – aber mein Kleid war hinüber.

Dann gingen wir zu den Anderen und Sonja meinte, dass sich einige schon verabschiedet hätten.

Irgendwie war es schade, dass es der letzte Kurstag war, aber das hieß ja noch lange nicht, dass ich auch Ben nicht mehr sehen sollte.

Inzwischen sind wir seit 2,5 Jahren ein Paar...