Der prickelnde Flirt in der U-Bahn!

Ich fahre sehr gerne mit der U-Bahn. Man sieht viele schöne Mädchen und Frauen und mit manchen dieser Geschöpfe kann man ausgiebig flirten.

In meinem Dorf in Italien gibt es keine U-Bahn - es gibt nicht mal eine Straßenbahn. Aber es gibt Busse. Alte Busse. Wackelige Busse. Busse, die sich durch die engen Straßen und Gassen meines Heimatdorfes quälen.

Die Mädchen und Frauen in diesen Bussen sind bodenständig, keineswegs urban, wie die Mädchen und Frauen in der U-Bahn. Viele dieser Wesen in meinem Dorf sind vollbusige Mamas und wenn sie sich durch den Bus zwängen, kann es schon vorkommen, dass einem die Titten um die Ohren wackeln.

In Wien ist das alles zivilisierter. Oder langweiliger. Die U-Bahnen sind voll, alles wirkt anonym – wenn da nicht diese hübsche und interessante Frau wäre, die mir immer wieder in die Augen schaut.

Bei einem Italiener gehört es zum guten Ruf, den Damen Komplimente zu machen. Dabei wird oft gelogen, dass sich die Balken biegen. Aber der Zweck heiligt in vielen Dingen die Mittel und es gibt für einen Italiener keinen schöneren Moment, als eine Frau zu erobern.

Sie sieht mich an - was mache ich nun?

Wenn ich nicht die Initiative ergreife, dann steigt sie aus und ist für immer weg. Ich könnte es mir nie verzeihen, diese Frau einfach gehen zu lassen.

Sie sieht mich noch immer an.

Ich bin nervös geworden, denn es passiert auch mir nicht all zu oft, dass eine Dame in der U-Bahn nach mir lechzt. Vielleicht habe ich es bloß meiner überheblichen italienischen Mentalität zu verdanken, dass ich dieses Gefühl so empfinde – aber ich will es wissen.

Die Station „Volkstheater“ sollte uns trennen – denn mein Objekt der Begierde steht auf und geht zur Tür. Sie sieht mich noch immer an. Ich muss wohl unwiderstehlich geworden sein, seitdem ich Italien verlassen habe.

Sie ist ausgestiegen - ich laufe ihr nach. Sie steht auf der Rolltreppe. Sie dreht sich nicht um. Es wäre auch fatal billig, wenn sie sich umdrehen würde. So etwas wäre nicht ihr Stil.

Ich hole sie ein, sie sieht mich, sieht mich an, ich bin nervös, überspiele diesen Fakt aber mit italienischem Temperament und frage: „Entschuldigen sie bitte, darf ich sie zu einer Tasse Kaffee einladen?“

Sie lächelt sanft und antwortet mit einer Gegenfrage: „Machen sie das immer so?“

Wenn diese Frau wüsste, dass ich Giovanni, ein Frauenversteher aus Italien bin, würde sie mir eine solche Frage nie stellen.

Wenig später bei einer Tasse Kaffee…

Giovanni: Mir ist die ganze Zeit aufgefallen, dass sie mich beobachten. Jetzt frage ich: Machen SIE das immer so?“
Christine: Nein, natürlich nicht. Ich hatte aber eher das Gefühl, dass sie mich beobachten und habe ihre Avancen erwidert.
Giovanni: Finden sie mich attraktiv?
Christine (lacht): Eine solche Frage wurde mir noch nie gestellt – besonders nicht von einem Mann.
Giovanni: Es hat auf mich so gewirkt, als würden sie sich in der U-Bahn nach Beute umsehen.
Christine (lacht wieder): Täuschen sie sich nicht.

Die folgenden vierzig Minuten waren nett im Gespräch, aber zu wenig spannend, um sie hier ausführlich zu erzählen. Inzwischen hatte ich Christine aufgeklärt, dass Giovanni, immerhin Frauenversteher, niemals Berufliches (Interview) mit Privatem (Sex) verbinden würde. Dazu bin ich zu sehr Gentleman.

Giovanni: Sie leben in einer Ehe, dennoch sind sie offen für andere Männer?
Christine: Ich bin nicht offen für andere Männer. Ich brauche aber manchmal die Selbstbestätigung, dass Männer auf mich reflektieren.
Giovanni: Bekommen sie diese Art von Selbstbestätigung nicht auch von ihrem Mann?
Christine: Mein Mann ist beruflich sehr viel unterwegs. Wir sehen uns oft tagelang nicht und dann kommt er nachts nach Hause, ist müde, legt sich hin und will schlafen.

Christine hatte inzwischen ihre vornehme Distanz abgelegt und erzählte und erzählte und erzählte…

Giovanni: Wenn sie die Selbstbestätigung gefunden haben, sind die Männer dann uninteressant für sie?
Christine: Mir geht es meistens darum, zu schauen, ob ein Mann auf mich reagiert. Tut er das, empfinde ich innerlich eine Genugtuung und bin zufrieden, tut er das nicht, wühlt es mich auf. Dann habe ich oft das Gefühl, dass ich alt geworden bin und auf Männer unattraktiv wirke.
Giovanni: Das klingt nach Lebenskrise?
Christine: Es ist keine Krise, aber wissen sie, ich lebe in einer bürgerlichen Gesellschaft, bin überall integriert, habe viele Bekannte und Freunde, aber wenn der eigene Mann so selten da ist, fühlt man sich oft sehr einsam.
Giovanni: In der Einsamkeit kommen dann Gedanken, dass sie auf Männer unattraktiv wirken?
Christine: Manchmal ja.
Giovanni: Ist es ihnen schon mal passiert, dass sie einen Korb bekommen haben?
Christine: So etwas fragt man eine Dame normalerweise nicht – aber natürlich ist das schon mal passiert.
Giovanni: Erzählen sie bitte.
Christine: Ich wurde monatelang von einem Freund meines Sohnes angehimmelt. Mein Sohn ist jetzt 24, dieser Freund knapp 30. Er hat nie ein Hehl daraus gemacht, dass er auf reifere Frauen steht. Es war bei uns schon tägliches Gesprächsthema, dass dieser Freund mich attraktiv findet.
Giovanni: Aber wie hat er sie abgelehnt?
Christine: Er hat mich nicht direkt abgelehnt, denn um abgelehnt zu werden, müsste ich vorher initiativ geworden sein. Das war ich aber nicht. Es war aber eines Tages so, dass mein Mann, mein Sohn, dieser Freund, ich und noch zwei Personen in einem Erlebnisbad waren, da hatte er mich in Bademode gesehen und ab dann hat er nur noch gesagt, dass ich „eine fette Kuh mit breiten Hüften“ bin.
Giovanni: Das hat er ihnen gesagt?
Christine: Das hat er meinem Sohn gesagt. Mein Sohn hat das so lustig gefunden, dass er es meinem Mann und auch mir erzählt hat.
Giovanni: Das ist natürlich nicht schön. Sind sie generell mit sich zufrieden?
Christine: Es gibt Tage, da schaue ich in den Spiegel und bin sehr zufrieden. Dann gibt es aber auch Tage, wo ich mein Spiegelbild meide, wie der Teufel das Weihwasser.
Giovanni: Womit sind sie dann unzufrieden?
Christine: Wenn ich unzufrieden bin, dann mit allem an mir.
Giovanni: Haben sie schon mal überlegt, etwas an sich verändern zu lassen?
Christine: Ich verwende Botox.
Giovanni: Ein Nervengift?
Christine: Ein halber Teelöffel dieses Giftes könnte Millionen Menschen töten. Aber gereinigt und verdünnt wird dieses Gift in die Falten gespritzt und lässt die Menschen um Jahre jünger aussehen.
Giovanni: Würden sie auch abseits des Gesichtes Haut straffende Mittel verwenden?
Christine: Ich schwimme sehr viel, deshalb ist meine Figur für mein Alter – ich bin 48 – sehr straff. Auch wenn der Freund meines Sohnes meinte, dass ich eine fette Kuh bin. Wenn ich diesbezüglich unzufrieden wäre, würde ich aber etwas dagegen tun. In der heutigen Zeit ist das alles kein Problem.

Ich war über das Alter von Christine überrascht, denn ich hätte sie auf Mitte oder Ende 30 geschätzt.

Giovanni: Wenn ihr Mann so selten zu Hause ist, wie verbringen sie die vielen Abende?
Christine: Meistens gehe ich nach meinem Job shoppen oder mit Bekannten oder Freunden etwas trinken. Wenn ich dann nach Hause komme, ist der Tag für mich gelaufen, dann bin ich müde und möchte eigentlich meine Ruhe haben. Ich nehme dann ein entspannendes Bad oder verbringe den Abend mit Musik hören oder Lesen.
Giovanni: Sie fühlen sich dennoch einsam?
Christine: Es gibt in mir viele Widersprüche. Beispielsweise sagte ich vorher, dass ich mich manchmal einsam fühle. Jetzt würde ich das nicht mehr sagen. Ich habe oft große Stimmungsschwankungen, empfinde etwas einmal so und einmal so.
Giovanni: Sie haben einen Sohn – haben sie sich jemals mehr Kinder gewünscht?
Christine: Nein, ich bin zufrieden, wie es ist. Wir haben unserem Sohn sehr viel Liebe und Zuneigung geschenkt, unserem Sohn hat nichts gefehlt. Ich glaube, wenn wir mehrere Kinder gehabt hätten, wäre das alles nicht so gelaufen. Außerdem habe ich vor 15 Jahren eine Boutique eröffnet, damals war mein Sohn immerhin schon alt genug, um auch mal alleine zu Hause zu sein. Wenn ich da noch ein Kind gehabt hätte, wäre alles anders gelaufen. Nein, es ist schon gut so.
Giovanni: Würden sie ihre Ehe grundsätzlich als „intakt“ bezeichnen?
Christine: Ich würde meiner Ehe keine Etikette umhängen. Wenn man bedenkt, dass mein Mann nur an vier oder fünf Abenden im Monat zu Hause ist, dann sieht man sich kaum, unternimmt kaum etwas gemeinsam. Für viele wäre schon diese Tatsache Grund genug, um zu sagen, dass eine Ehe nicht intakt ist. Es kommt aber darauf an, wie man miteinander umgeht. Aus dieser Sicht betrachtet würde ich schon sagen, dass unsere Ehe intakt ist. Wir schätzen uns sehr – andererseits kann es sein, dass wir uns schon viele Jahre lang auseinander gelebt haben.
Giovanni: Wieder ein Widerspruch.
Christine: Wie so oft.
Giovanni: Haben sie schon mal daran gedacht, ihren Mann sexuell zu betrügen, bzw. haben sie ihn schon mal betrogen?
Christine: Ich habe schon oft daran gedacht – aber ich habe es noch nie getan.
Giovanni: Glauben sie, dass ihr Mann daran denkt oder sie schon betrogen hat?
Christine: Bei meinem Mann bin ich mir ziemlich sicher. Männer sind anders. Ich sage immer, dass eine Frau Gefühle braucht, um mit einem Mann ins Bett zu gehen. Natürlich gibt es auch die animalische Komponente, wo man einfach über sich herfällt – aber aus diesem Alter bin ich heraus. Je älter man wird, desto gelassener und ruhiger wird man. Bei Männern ist es aber umgekehrt. Je älter sie werden, desto mehr brauchen auch sie die Selbstbestätigung und wenn sich dann jemand anbietet, dann greifen sie schamlos zu.
Giovanni: Es stört sie nicht, dass ihr Mann vielleicht fremdgegangen ist?
Christine: Man kann es nicht verhindern.
Giovanni: Sprechen ihr Mann und sie über dieses Thema?
Christine: Dieses Thema wird bei uns totgeschwiegen. Aber als feinfühlige Frau merke ich so etwas. Da brauche ich ihm nur in die Augen zu schauen.
Giovanni: Sie haben schon oft dran gedacht, ihren Mann zu betrügen, es aber nie getan. Woran denken sie in solchen Augenblicken? Drängen sich besondere sexuelle Vorlieben in den Vordergrund?
Christine: Ich bin im Geschäftsleben eine sehr erfolgreiche Frau. Ich habe immer alles unter Kontrolle. Aus diesem Grund habe ich mir oft vorgestellt, dass ich Sex mit vielen Männern auf einmal habe, mit jungen Männern, mit Männern mit langen Haaren und sehnigen Körpern.
Giovanni: So sieht auch ihr Mann aus?
Christine: Mein Mann ist ein 100kg-Bär und hat eine Glatze.
Giovanni: Sie liegen also in einem Bett und werden von mehreren Männern verwöhnt?
Christine: Nein, es passiert im Freien und ich werde nicht verwöhnt, sondern benützt. Ich gebe mich hin und lebe eine Art Devotion aus.
Giovanni: Sie sind sehr offen. Ich empfinde es als sehr interessant, dass sie so ehrlich erzählen, obwohl sie mich nicht kennen.
Christine: Ich glaube, ich erzähle deshalb so viel, WEIL ich sie nicht kenne. In wenigen Minuten wird unser Gespräch vorbei sein und dann werde ich sie  - wahrscheinlich – nie wieder sehen. Da kann man viel lockerer einfach drauflos erzählen…